Unsere Vision

Der Glauburgbunker…

Außenansicht des Glauburgbunkers (ehemaliges Explora-Museum), 04.02.2019

Außenansicht des Glauburgbunkers (ehemaliges Explora-Museum), 04.02.2019

 

ein Stadtteilzentrum im Herzen des Nordends -

anstatt weitere Luxuswohnungen auf Kosten der Anwohner und Anwohnerinnen

ein Mehrgenerationenhaus: Treffpunkt für Jung und Alt -

anstatt weitere Gentrifizierung des Nordends

ein Platz für Kultur und Kunst für alle -

anstatt hoher Renditen für einen Investor

Angebote für Kinder und Jugendliche

Anlaufstätte für Eltern mit Kindern auf dem Glauburgspielplatz

Museum / Ausstellungen

Gedenkstätte

Bunker als Mahnmal des Krieges und für die Opfer des Nationalsozialismus

Sprachkurse / Sprachprojekte

Lesungen / Kinoabende / Themenabende

ein Stadtteilbüro / niedrigschwellige Beratung als Erstkontakt


Wir, die Bunker-Initiative wünschen uns ein Stadtteilzentrum von Menschen im Nordend für Menschen im Nordend - mit Platz für kulturelle und private Veranstaltungen, für Soziales, für kleine Vereine, Künstler und Musiker. Auch eine gastronomische Nutzung mit Öffnung zum Glauburgplatz können wir uns gut vorstellen. An Visionen mangelt es uns NordendlerInnen nicht, aber an einem Ort, um diese Ideen mit Leben zu füllen.

Wir plädieren deswegen mit Nachdruck dafür, dass in die von uns vorgestellte Richtung gedacht und geplant wird, um dem Stadtteil eine wertvolle, generationsübergreifende Begegnungsstätte möglich zu machen. Viele MitbürgerInnen und Familien würden sich darüber sehr freuen und die Angebote nutzen.

Ein solches Stadtteilzentrum würde das Nordend bereichern – der Standort des Bunkers ist zentral und ideal.

 

Ein Abriss unseres Bunkers würde bedeuten…

für alle Anwohnerinnen und Anwohner

  • für mehrere Jahre ohrenbetäubender Lärm, vor allem während der Abrissarbeiten durch Sprengungen

  • massive Erschütterungen und dadurch Gefährdung der angrenzenden Wohnhäuser und des Schulgebäudes durch Rissbildungen und Setzungen

  • Luftverschmutzung durch Dreck und Staub, hohe Feinstaubbelastung

  • Abtransport von ca. 15.000 Tonnen Bauschutt, das sind für einen zwei-achsigen Sattelzug à 40 Tonnen über 550 volle Ladungen

  • Behinderungen durch Baustellenfahrzeuge etc.

für die Schülerinnen und Schüler der Schwarzburgschule

  • Lernen unter extremer Lärmbelästigung

  • gesundheitliche Gefährdung durch Feinstaubbelastung und Baustellendreck

für die Kindereinrichtungen in der Umgebung

  • die Nutzung des Glauburgspielplatzes zum Spielen und Entspannen wird nicht mehr möglich sein - eine Katastrophe, weil viele Einrichtungen kein eigenes Außengelände besitzen

Quelle: Google Maps - bearbeitet

Quelle: Google Maps - bearbeitet

Quelle: Unsplash,  Fancycrave  (@fancycrave)

Quelle: Unsplash, Fancycrave (@fancycrave)

 

Lebensqualität für Alle

Das Nordend ist der Frankfurter Stadtteil mit der höchsten Bevölkerungsdichte.

[1]

Ende 2021 soll das Bauprojekt „Marie“ auf dem alten Areal des Marienkrankenhauses mit 181 neuen Wohnungen bezugsfertig sein. An der Ecke Spohrstraße / Schwarzburgstraße entsteht ein neues Wohnheim für Seniorinnen.

Auch sonst wird an allen Ecken und Enden im Nordend rund um den Glauburgplatz gebaut, Hinterhäuser modernisiert, Dächer angehoben usw.

Die schulpflichtigen Kinder im Grundschulalter, die zukünftig in der „Marie“ wohnen werden, gehören zum Einzugsgebiet der Schwarzburgschule, die nicht weiter wachsen kann. Auch die umliegenden Kinderbetreuungseinrichtungen platzen aus allen Nähten. Für Jugendliche gibt es kaum Orte für ihre Freizeitgestaltung und auch ältere Menschen finden hier im Nordend nicht viele Anlaufstellen, schon gar nicht in fußläufiger Entfernung zum zukünftigen Wohnheim. Die Spielplätze im Nordend sind an sonnigen Tagen überfüllt mit Kindern und Eltern. Das Wegfallen des Spielplatzes auf dem Glauburgplatz zumindest während der Bauarbeiten, würden nicht nur diese Familien treffen, sondern auch viele Kindereinrichtungen. Diese nutzen den Spielplatz regelmäßig, weil sie kein eigenes Außengelände besitzen.[2]

Wir fordern, in dem Gebiet rund um den Nordendplatz und Glauburgplatz nicht nur weiter Wohnraum zu verdichten, sondern auch Platz für Lebensqualität zu schaffen.

Denn ein lebendiges Stadtviertel sollte sich nicht nur mit teuren Wohnungen, schicken Restaurants und Cafés schmücken, sondern auch kostenfreie- bzw. kostengünstige und niedrigschwellige Angebote kultureller und sozialer Art für Alle bereithalten.


[1] Das Nordend steht mit 11560 Einwohnern pro Quadratkilometer an der Spitze der Einwohnerdichte, gefolgt von Bornheim mit 10959 Einwohnern pro Quadratkilometer (Stand: Dezember 2018). Vgl. hierzu: Statistik aktuell 01/2019. Einwohner mit Hauptwohnung in Frankfurt am Main, letzter Zugriff am 26.02.2019 und Stadtteile Frankfurt am Main, Wohnumfeld – öffentlicher Raum 2017, in: Strukturdatenatlas Frankfurt. Bürgeramt, Statistik und Wahlen der Stadt Frankfurt am Main Strukturdatenatlas (letzter Zugriff am 26.02.2019).

[2] Obwohl das Stadtviertel mit der höchsten Einwohnerdichte, kommt das Nordend bei der Anzahl der Spielplätze pro 100 Kinder im Stadtteilevergleich nur auf einen Platz im unteren Mittelfeld. Vgl. Stadtteilprofile im Stadtteile Frankfurt am Main – öffentlicher Raum, Stand 2017 (letzter Zugriff am 22.02.2019).

 
Glauburgplatz mit Spielplatz, 28.02.2019

Glauburgplatz mit Spielplatz, 28.02.2019

 

Wider das Vergessen – der Bunker als Mahnmal der Geschichte

Bunker seien, laut dem Historiker Klaus Jürgen Becker ein „ein ‚sehr gutes Medium’, um den Nationalsozialismus zu erklären und sich kritisch mit ihm auseinanderzusetzen.“[1]

In Zeiten, in denen einerseits Nationalismus und Faschismus im Aufwind sind, andererseits die letzten Zeitzeugen versterben, könnte man mit dem Erhalt des Glauburgbunkers, der eben ein Luftschutzbunker ist, auch ein Zeichen gegen das Vergessen setzen.

 Die Stadt Frankfurt investiert rund 200 Millionen Euro in die Rekonstruktion einer Altstadt, die so nie existiert hat. Tatsächlich lebten in der Altstadt vor ihrer Zerstörung ökonomisch schlechter gestellte Frankfurter in Enge, Dreck und Dunkelheit.[2] Heute sind dort etwa 80 subventionierte Eigentumswohnungen entstanden, die sich viele Frankfurter nicht leisten können.[3] Anstatt in nachhaltigen sozialverträglichen Wohnungsbau zu investieren, wurden dort mit Steuergeldern geschichtsverklärende Kulissen errichtet.

Mit jedem Bunker, der abgerissen wird, verschwindet ein Stück geschichtliche Substanz aus den Städten.[4] Wir fordern eine Stadtentwicklungspolitik, die nicht nur Geschichte eliminiert oder verklärt, sondern auch bewahrt und vergegenwärtigt.


[1] Vgl. Klaus Jürgen Becker, Historiker, in: Süddeutsche Zeitung vom 01.01.2018: „Historiker warnt vor ‚Bunkersterben’“ (letzter Zugriff am 26.02.2019)

[2] Die Dokumentation von Jörg Adrian Huber „Als Frankfurt hundert Gassen hatte – Wahre Geschichten aus der Altstadt“ (Hessischer Rundfunk von 2007) lässt Zeitzeugen zu Wort kommen, die in der „alten“ Altstadt gelebt haben.

[3] Käufer mussten 5000-7000 Euro pro Quadratmeter aufbringen, mittlerweile werden dort Mietwohnungen mit 25 Euro pro Quadratmeter angeboten. Vgl. Frankfurter Rundschau vom 06.07.2018: „Wuchermieten in der neuen Altstadt“ von Claus-Jürgen Göpfer (letzter Zugriff am 26.02.2019).

[4] Vgl. Klaus Jürgen Becker (s.o.).

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Außenansicht des Glauburgbunkers (ehemaliges Explora-Museum), 04.02.2019

Außenansicht des Glauburgbunkers (ehemaliges Explora-Museum), 04.02.2019

Luxuswohnungen – Nein Danke!

Von den 181 Wohnungen des Bauprojektes „Marie“ sind nicht alle verkauft. Das zeigt unserer Meinung nach, dass die Nachfrage nach Wohnungen in dieser Preisklasse (ab 7300 Euro pro Quadratmeter)[1] nicht so hoch sein kann. Stattdessen bräuchten wir viel mehr geförderte Wohnungen, die allerdings weniger Rendite bringen und somit für Investoren uninteressant sind.

Von den Wohnungen, die auf dem Gelände des Glauburgbunkers geplant sind, sollen 30 Prozent sozial gefördert werden, was auch immer das konkret bedeutet. Wir sind skeptisch, ob dies tatsächlich so umgesetzt werden würde. Denn immer wieder kommt es bei großen Bauvorhaben zu Nachverhandlungen unter Berufung auf gestiegene Baukosten, unvorhergesehene Probleme etc. Die Abstriche werden allerdings dann nicht bei der Rendite, sondern bei der Anzahl der Sozialwohnungen gemacht.

Das geplante Bauvorhaben zeugt unserer Meinung nach von der einseitigen, kurzsichtigen und ausschließlich kommerziell geleiteten Planungspolitik der Stadt, die die Gentrifizierung des Nordends weiter vorantreibt.

Wir wollen ein buntes, vielfältiges Nordend mit einer heterogenen Bevölkerungsstruktur und kein Stadtviertel, in dem sich das Leben zukünftig nur noch Wenige leisten können.[2]

Deswegen plädieren wir dafür, in kulturelle und soziale Infrastruktur zu investieren, indem im Glauburgbunker ein Stadtteilzentrum für alle ‚Nordendler’ eingerichtet wird.

 

[1] Vgl. www.immobilienscout24.de (letzter Zugriff am 26.02.2019).

[2] Rechenbeispiele für das, was man für ein Eigenheim, z.B. in der „Marie“ aufbringen muss, liefert Volker Looman: „Wer kann sich das leisten? Der Traum vom Eigenheim in der Großstadt“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung aktualisiert am 22.01.2019, letzter Zugriff am 21.02.2019).